Mit Erschrecken habe ich gerade festgestellt, dass ich lange nichts über das Projekt „Nachhaltigkeit in Franken“ geschrieben habe. Und dabei habe ich mindestens zwei Projekte beziehungsweise Personen, über die ich noch dringend berichten möchte.
Aktuell ist es unmöglich neue Gespräche mit Fotodokumentation zu führen.

Meine Heimat Franken liegt mir ebenso am Herzen, wie das Thema nachhaltig Werden und nachhaltig leben.
So entstand die Idee zu einem Projekt, für das ich die Fotografin Anika Maaß gewinnen konnte: Gemeinsam reisen wir durch das Frankenland, auf der Suche nach Menschen, die für das Thema Nachhaltigkeit brennen. Und zwar nicht erst, seitdem Zerowaste, Plastikfrei und Minimalismus in aller Munde sind. Menschen, für die Nachhaltigkeit mehr heißt, als auf Plastiktüten- und Strohhalme zu verzichten. Für die Nachhaltigkeit ein ganzheitliches Konzept ist. Bei dem es um Wertschätzung von Umwelt und Umfeld geht.

Vor etwas mehr als einem Jahr treffen Anika Maaß und ich Jessica Könnecke in ihrem Ladenlokal „Mit Ecken und Kanten“ (Anmerkung mittlerweile ist der Laden zu Gunsten eines größeren Lagers mit Büro nach Fürth umgezogen).
Als wir Jessica Könnecke treffen, wirkt sie sehr klar und aufgeräumt.

Mit Ecken und Kanten

Als wir sie bei Mit Ecken und Kanten besuchen, stehen viele Päckchen und Pakete mir Waren im Verkaufsraum.
„Es läuft gerade ganz gut, aber uns geht langsam die Lagerfläche aus.“ Lächelt Jessica entschuldigend und bietet uns Kaffee und Sitzplätze an.

Anika im Gespräch mit Jessika Koennecke
Anika Maass im Gespräch mit Jessika Koennicke

Wie alles begann:

Mich interessiert bei allen nachhaltigen Projekten immer, wie eigentlich alles begann. So auch hier:
Jessica gründete das Unternehmen „Mit Ecken und Kanten“ vor mehr als drei Jahren mehr aus Zufall. Man könnte auch sagen, daß sie einfach einen bestehenden Mißstand beseitigen wollte.
Nach ihrem Marketing- Masterstudium in Schweden war klar, daß sie auf jeden Fall im Bereich Nachhaltigkeit arbeiten möchte. Bei verschiedenen Praktika fiel ihr auf, daß Prototypen oder nicht ganz perfekte Produkte ungenutzt in der Ecke standen.
Aus dieser Beobachtung wurde eine Geschäftsidee: Nachhaltige Produkte, die zwar produziert, aber nicht verkauft werden aufzukaufen, um sie etwas günstiger weiter zu verkaufen. An Menschen, denen ein schonender Umgang mit Ressourcen wichtiger ist, als makellose Produkte.

Das Konzept

„Mit Ecken und Kanten“ kauft ausschließlich nachhaltige Produkte, aus älteren Kollektionen auf, die von der Firma nicht mehr verkauft werden kann oder Produkte, die kleine Schönheitsfehler haben (Farbe stimmt nicht ganz, Verpackung ist bei Rückläufern beschädigt) oder Verpackung und/oder Rezeptur des Produkts wurde verändert. Alles Gründe, weshalb Firmen ihre Produkte nicht mehr verkaufen können oder wollen.
Und Produkte, die Verbraucher so ohne Weiteres auch nicht kaufen würden.
Diese Philosophie bedeutet aber auch, daß bestimmte Produkte nur für eine begrenzte Zeit im Onlineshop von „Mit Ecken und Kanten“ verfügbar sind und so auch nicht wieder reinkommen.

Onlineshop_MitEcken und Kanten
So sieht der Onlineshop von Mit Ecken und Kanten aus.

Jessica Könnecke begann ihr Unternehmen in ihrer Wohnung, dann zog sie mit ihrem Lager in den Keller der Mutter. Das Ganze gelang ohne Startkapital. Sie kaufte zunächst wenige Produkte und reinvestierte den Gewinn sofort in neue Produkte.
Die Firmen waren recht einfach zu überzeugen, denn so können sie mit Produkten noch Geld verdienen, die sonst im Müll landen würden.
Allerdings so Könnecke suche sie sich ihre Geschäftspartner sehr genau aus. Die, die nur scheinbar nachhaltige Produkte anbieten, haben bei Ihr keine Chance.
Aktuell hat „Mit Ecken und Kanten“ etwa 80 Zusammenarbeitspartner und über 300 Produkte im Mit Ecken und Kanten-Onlineshop.

Mit Ecken und Kanten von innen. Links oben: Eine neue Lieferung Brotdosen mit Ecken. Links unten: Nachhaltige Kleidung für Menschen. Rechts oben: Regal. Rechts unten: Das Motto des Ladens „Why so perfekt honey?“

Die Preisgestaltung

In ihrem Blog shabe ich den Artikel Unperfekt gleich super billig? Darum haben bei uns auch B-Waren ihren Preis gefunden. Darin geht es um das immer wiederkehrende Thema was nichts kostet, ist nichts wert.

Es geht uns nicht darum, möglichst viele Produkte möglichst billig zu verscherbeln. Wir möchten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass auch B-Waren und Produkte mit kleinen „Fehlern“ eine zweite Chance verdient haben und weiterhin ihren Zweck erfüllen.

Dern Gedanken finde ich persönlich gut: Man kauft doch schnell mal zu viel auch vom Guten, wenn es allzu günstig daherkommt.
Was meinst Du dazu?



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