„Zu den größten Plagen unserer Zeit gehört das übermäßige Schreiben von Briefen … Jedermann verlangt brüllend nach Aufmerksamkeit. Es wird über Ereignisse berichtet, noch während diese im Gange sind. Fremde drängen sich einem auf und nehmen kostbare Zeit in Beschlag. Über Tausende von Meilen hinweg strapazieren oder streicheln Freundschaften die Seele.“

Sif Sigmarsdóttir: Das dunkle Flüstern der Schneeflocken, S.167/168

Diesen Text, der sich anhört wie Kritik an Social Media 2021 zitiert Imogene, eine der Hauptpersonen in Sif Sigmarsdóttirs Thriller bei einem SocialMedia-Workshop.
Das Zitat stammt aus dem Jahr 1898 und ist von der britischen Schriftstellerin Amelia E. Barr. Ihr Aufsatz Dangerous Letter-Writing, liest sich exakt wie die heutigen Kritiken an Facebook & Co.

„Das dunkle Flüstern der Schneeflocken“

In der Lieblingsbuchhandlung treibe ich mich gerne in der Jugendbuchecke herum. Vielleicht auch deshalb, weil ich immer wieder auf der Suche nach „anderen“ Büchern für meine Kinder bin.
Dabei bin ich an diesem Buch von Sif Sigmarsdóttir hängen geblieben. Ich liebe skandinavische Thriller, besonders die isländischer Autoren. Das Cover funktioniert wie alle dieser Richtung: Schneelandschaft und eine einsame Hütte. Der Titel ist wie immer hingezimmert, das muß eine Verlagskrankheit sein. Im Original heißt das Buch „The sharp edge of a snowflake“, was auch zum Inhalt paßt.

Klappentext

Hannah Eiríksdottir freut sich überhaupt nicht, in den kalten Norden zu ziehen. Doch das Praktikum bei der Tageszeitung entpuppt sich als spannende Gelegenheit, die erfolgreiche Influencerin Imogen Collins kennenzulernen – und schnell ist Hannah sehr beeindruckt von ihr.
Als kurze Zeit später eine Leiche in einem Lavafeld gefunden wird, sprechen alle Indizien gegen Imogen und sie wird verhaftet. Ist Imogen Collins wirklich eine Mörderin und ihr perfekter Instagram-Feed nur eine gut getarnte Fassade? Hannah beginnt, eigenmächtig zu ermitteln und gerät dabei an den Rand der Legalität …
Der Verlag nennt das Buch einen „Nordic Noir-Thriller“ über Wahrheit, Lügen, die Manipulation von Big Data und den schönen Schein der Instagram-Welt.

Die Themen im Buch

Tod: Hanna (16) muss nach dem Tod der psychisch kranken Mutter nach ihrem Rauswurf aus der Schule zu ihrem Vater uns der Bonusfamilie nach Island ziehen. Total genervt tritt sie einen Job in der Zeitungsredaktion ihres Vaters an.

Mord: Als in der Nähe der Reykjanesbraut ein Toter gefunden wird, erwacht Hannas Dedektivsinn und sie beginnt nachzuforschen. War es ein Unfall oder Mord?

Missbrauch: Nach und nach erfahren wir von einer schrecklichen Erfahrung, die die Instagramerin Imogen (19) machen mußte und die ihr ganzes Leben beeinflußt. Das Thema, das die „me too“- Bewegung ans Licht geholt hat: sexueller Übergriff eines älteren Mannes in Machtposition.

Social Media: Was ist echt und was ist nur schillernder Schein?

Selbstbild: Immer wieder geht es um Selbstfindung und um die Frage Wer bin ich? Jedes Kapitel wird durch eine Bildbeschreibung eingeleitet, der ein Untertitel für Social Media folgt. Darunter immer eine Auswahl an Bildunterschriften, die das „echte“ Leben beschreiben.

Lesetipp

Ich mag die Vermischung von dem besonderen Leben auf Island, das eher karg und kalt daherkommt, mit dem Hochglanz- und Glamour auf Social Media.
Mich hat Sif Sigmarsdóttir gut abgeholt, auch wenn die Geschichte manchmal hakt, wie Carola Krauße-Reim richtig feststellt. Für Jugendliche ab 14 sollte der Thriller dennoch funktionieren, da sie am Alter der Protagonisten näher dran sind und sich gerade in den Alltagsproblemen wiederfinden können. Ich bin sehr gespannt, was meine Vierzehnjährige dazu sagen wird.

Infos zum Buch

Das dunkle Flüstern der Schneeflocken

Sif Sigmarsdóttir

Das dunkle Flüstern der Schneeflocken

Young Adult / Nordic Noir-Thriller / Island

Aus dem Englischen übersetzt von Ulrich Thiele

ab 14 Jahren, 1. Auflage 2020
432 Seiten, 13.5 x 21.0 cm
ISBN 978-3-7432-0721-9



PS: Wenn hier jemand dabei ist, der „Das dunkle Flüstern der Schneeflocken“ von Sif Sigmarsdóttir gerne lesen möchte: Ich habe es selbst gekauft und verschenke es bei Bedarf gerne weiter.


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