Mein erstes eigenes Bett kaufte ich mit Ende dreißig. Der Weltbeste und ich schliefen nicht besonders gut, die geerbten Matratzen paßten nicht genau in das Bettgestell. Bisher hatten wir auch keinen gesteigerten Wert auf ein besonderes Bett gelegt. Gibt es da Unterschiede? Wir waren da etwas naiv. Oder unsere Körper einfach jung genug.
Offensichtlich existieren diese Unterschiede, denn nachdem wir unser neues Bett probegeschlafen hatten, fühlten wir sie. Ob es am heimischen Holz liegt, aus dem es gefertigt ist oder am besonderen Lattenrost, wer weiß was schon. Rückenschmerzen und Nackenverspannungen adé. Willkommen Lieblingsplatz.

Es riecht ein bißchen nach Schaf. Im Halbschlaf denke ich an das Gespräch, das ich vor meinem Geburtstag mit dem Weltbesten geführt hatte. „Was wünscht du dir eigentlich?“ Wurde ich gefragt. „Nichts, mir fällt nichts ein. Außer vielleicht eine Wolldecke?“ Soweit erinnere ich mich noch an das Gespräch. Allerdings nicht mehr an die angeblich gesprochenen Worte „Kein Schaf!“.
Es ist warm unter der Decke, die ich vor dem Einschlafen über meine Bettdecke gebreitet habe, und riecht nach Schaf. Denn ich bekam eine Baumwollfleecedecke zum Geburtstag. Diese jedoch liegt auf dem Sofa und wird vom Hund und dem großen Kind benutzt, das seit dem zweiten Lockdown quasi auf dem Sofa lebt.
Der Weltbeste hatte sich aber in die Schafwolldecke verliebt, die irgendwann auf meinem Bett landet.

Meine Decke
Meine Decke riecht ein bißchen nach Schaf

Mein Bett ist das zu Hause meiner Seele. Hier suche ich Zuflucht vor der Welt wenn alles zusammenzustürzen droht. Hier ist es warm, weich und gemütlich. Hier liegen die Bücher, die mir am liebsten sind griffbereit.
Mein Bett ist Rückzugsort für meine Kinder, wenn sie alleine sein möchten, wenn sie es gemütlich haben wollen. Denn nirgendwo in der Wohnung ist es so gemütlich wie auf dem Bettüberwurf liegend, in die Schafwolldecke gekuschelt und auf viele kleine, weiche Kissen gebettet. Die von der Freundin selbstgenähte Leserolle unter den Kopf geschoben und mit Büchern umgeben oder mit dem IPad auf dem Schoß.

Es riecht ein bißchen nach Schaf und die Gedanken galoppieren durch die karge isländische Landschaft, so wie sie in einem meiner kürzlich verschlungenen Büchern beschrieben wird. Steht dort hinten nicht ein kleines Lämmchen auf der Weide? Schon rasen sie weiter, die Gedanken und die Landschaft verändert sich ebensoschnell. Plötzlich sieht es eher nach schottischen Highlands aus und die zwei Personen, die ich im Vorbeifliegen reiten sehe, ähneln verdammt Jamie Fraser und Claire Randall, den beiden Hauptfiguren aus Diana Gabaldons Highlandsaga. Warm wird es mir am ganzen Körper, bevor die Bilder wieder verblassen und ich im Schafduft eingeschlafen bin.



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