Am 9. Januar 2020, genau heute vor einem Jahr durfte ich für eine Pressereise in die Kitzbühler Alpen fahren. Kurz habe ich darüber sinniert, ob es politisch korrekt ist, in der Situation, in der wir uns gerade befinden über diese Reise zu berichten. Mitten in einem Lockdown. Wo sich die Gemüter darüber erhitzen, daß Menschen scharenweise in die Skigebiete strömen.
Ich habe Zweifel daran, daß es einen besseren Zeitpunkt dafür geben kann. Denn die intensiven Natur- und zwischenmenschlichen Erlebnisse, die ich machen konnte, die können zum Umdenken anregen. Gerade was das Thema Nachhaltiger Wintersport angeht.

Als die Einladung zur Pressereise nach Hochfilzen kam, war ich erst zurückhaltend, denn Skifahren ist nicht meine Sportart: Schwere Skistiefel, in denen man kaum gehen kann, überfüllte Lifte und dann waghalsig steile Hänge hinunterbrettern.
Aber natürlich hat sich das Team von KunzPR etwas ganz besonderes ausgedacht und meine Reise beginnt bereits am Bahnhof, gerade mal 10 Minuten Gehzeit von meiner Haustür aus.

Die Reise geht nach Österreich- Pillerseetal, ich komme!

Die Pressereise steht unter dem Motto: „Umweltfreundlich Sporteln, emissionsarm Wohnen“ und führt mich nach Österreich ins Pillerseetal in die Kitzbüheler Alpen.
Drei Sekunden habe ich überlegt, ob es nicht sinnvoller wäre, mit dem Auto ins Nachbarland zu reisen, aber zwischen Haustür und Hotelempfang liegen zwanzig Minuten Fußweg. Und ein paar Stunden Zeit zu arbeiten und sich dann ganz gemütlich auf die Zieldestination einzustellen.

Unterwegs nach Hochfilzen
Im Zug Nürnberg-München-Hochfilzen. Mit Proviant natürlich. Besonders schön der Zug, der eigentlich bis Bologna fährt.

Als ich in München in den Zug nach Bologna steige, träume ich kurz von der warmen Sonne in Italien. Aber das Wetter überrascht mich bereits hinter der Grenze: Sonne und Schnee bis zum Horizont. Und österreichisch.
Ich gebe zu, ich habe da was mit Sprache. Zum einen liebe ich es, Fremdsprachen zu hören und herauszufinden, um welche Sprache es sich handelt. Zum anderen liebe ich fremde Sprache, nennen wir es mal Dialekte. Diese unendlichen Möglichkeiten meine Muttersprache zu artikulieren sind fantastisch.
Im Sitz neben mir sitzt ein älterer Herr mit Tirolerhut, der seinem Sitznachbarn von seinem Almleben erzählt. Ohne Internet. Inhaltlich fragwürdig, aber es klingt zumindest gut und ist die perfekte Einstimmung auf das Wochenende.

Hochfilzen im Pillersee-Tal

In Hochfilzen im Pillerseetal angekommen ist es ein Katzensprung vom Bahnhof zum Hotel und ich genieße erst mal jeden Meter mit Schnee und Sonne.
Im Hotel angekommen muß ich mich erst mal aufs Bett werfen (ein Traum) und dann das Fenster ganz weit öffnen, um die Aussicht zu genießen.

Zimmer und Ausblick
Angekommen. Erst mal den Koffer abstellen, das Bett prüfen und den Ausblick genießen.

Das fairhotel Hochfilzen

Das fairhotel Hochfilzen existiert seit 2013 und ist nach eigenen Angaben das erste Passivenergie-Hotel in Tirol.

Landwirt und Hotelier – Hotelier und Landwirt

Ursprünglich ist Hans Eder Landwirt und bewirtschaftet einen Traditionshof in Hochfilzen. „Ich bin Bauer und werde das auch immer mit Leib und Seele sein. Auch wenn es heutzutage schwer ist, wenn man das Ganze nachhaltig betreiben möchte.“
Im Gespräch merkt man schnell: Eder ist ein Macher: Er hat nicht nur viele Ideen für die Region, er setzt sie auch entgegen aller zweifelnden Stimmen um.

Hans Eder -Land- und Hotelwirt
Hans Eder ist nicht nur Land- und Hotelwirt, er ist ein Macheer in der Region Pillerseetal.

Nachaltig optimiert

Sein Hotel kommt ganz „normal“ daher und ist doch durchdacht bis ins Kleinste: Energieoptimierte Architektur ohne Wärmebrücken geht mit der bestmöglichen Ausrichtung des Baukörpers und der kontrollierten Lüftung mit Wärmerückgewinnung einher. Es kommt ohne extern zugeführte Energie aus. Selbst die Abwärme aus der Küche wird noch genutzt. Der Gast merkt davon nichts, die Zimmer sind ganz normal beheizbar. Auch sonst möchte der Hotelier viel mehr umsetzen, wie zum Beispiel Produkte von seinem nur 100 Meter entfernten Hof aufs Frühstücksbuffet zu stellen. Die behördlichen Vorgaben sind aktuell aber noch so, dass die Lizenzierung zu aufwendig ist. Stattdessen denkt er netzwerklich und kauft seine Bio-Lebensmittel in der Region ein.

Zum Abendessen wird es deftig: Hans Eder serviert uns eine einfache und geniale Speise: Kaaspressknödel. Dieses Gericht schmeckt am besten mit frischer Bergluft in der Nase.

Kaaspressknödel
In Österreich sind Kaaspressknödel Pflicht. Für mich.

Der Blick aus dem Fenster ist zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter ein paar Extraminuten wert. Der Berg nimmt immer wieder eine andere Gestalt an. Und von unten sieht er irgendwie gar nicht so steil aus oder?

Bergblick in verschiedenen Stimmungen
Der Ausblick aus meinem Zimmer. Verschiedene Tageszeiten, verschiedene Stimmungen.

Bevor ich zum Frühstück gehe, werfe ich einen Blick von der Sonnenterrasse auf das Bergdorf Hochfilzen und seine Berge dahinter.
Das Frühstück sieht so lecker aus, ich kann nicht widerstehen. Intervallfasten hin- oder her, wie soll ich etwas beurteilen, was ich nicht selbst probiert habe? Mir fällt auf, daß sehr wenige Produkte in Kunststoff einzeln verpackt sind. Hier denkt man ganzheitlich, das mag ich sehr.

Ausblick am Morgen und Frühstück
Der Morgen beginnt mit Sonnenschein. Und geht mit einem reichhaltigen Frühstück weiter.

Fitness für Körper und Geist

Gleich nach dem Frühstück treffen sich alle JournalistInnen in der Nordic Academy. Die befindet sich im selben Haus wie das Hotel. Der Vorteil: Als Hotelgast falle ich quasi vom Frühstückstisch auf die Piste. Hier gibt es die Ausrüstung für verschiedenste Wintersportarten. Der Sportwissenschaftler Markus Förmer ist nicht nur Ansprechpartner für Langlauf, Biathlon oder Skiwandern, er hat auch Tipps für mentale Fitness und weiß, wie durch körperliches Training die mentale Leistungsfähigkeit gesteigert werden kann. Im Sommer bekommt man hier alles zum Radeln und Wandern, im Sommer sind die Wintersport Profis am Werk.

Markus Förmer-Nordic Academy
Markus Förmer von der Nordic Academy weist uns nicht nur ins Material sondern auch in die Technik ein. Rechts: Ausrüstung kann in der Nordic Academy geliehen werden.

In der Nordic Academy kann man unterschiedliche Kurse in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen buchen. Unter anderem das Biathlon Camp, in das wir einen kleinen Einblick bekommen.
Mit Langlaufskiern Skaten ist anstrengend, keine Frage, aber nach einem Rennen den Puls wieder nach unten zu treiben, um ins Schwarze zu treffen – fast unmöglich für den Laien. Doch auch hierfür hat Förmer einen Tipp: Luftanhalten. Es hilft tatsächlich und ich stelle mich nicht komplett dumm an. Auch wenn mir mit Waffe in der Hand mulmig zumute ist.

Vorbereitung zum Biathlon
Bei himmlischen Wetter simmulieren wir einen Biathlon Wettkampf.

Bei strahlendem Sonnenschein stelle ich fest, daß die schwedische Winterjacke des Guten zu viel war. Nach dem Wettkampf bin ich komplett durchgeschwitzt, wohingegen bei Kollegin Sylvia das alles eher nach Spaziergang aussieht.
In der Gruppe hat das Training viel Spaß gemacht und ich kann mir sehr gut vorstellen, mit der Familie hier in der Loipe zu trainieren.

Suse skatet, Sylvia schießt
Links: Ich skate. Ist ganz schön anstrengend. Rechts: Sylvia schießt und trifft.

Es hilft wahrscheinlich, den Kindern zu erzählen, daß Hochfilzen die Hochburg des Biathlon ist, wo regelmäßig Profi-Biathleten im Weltcup gegeneinander antreten. Wer mehr darüber wissen will, der läuft den Biathlon WM-Pfad entlang und beantwortet 14 spannende Fragen. Sind mindestens 12 davon beantwortet, holt man sich seine Medaille in der Gemeinde Hochfilzen oder in einem der TVB-Büros Hochfilzen, Fieberbrunn, Waidring, St.Ulrich a. P. Und St. Jakob i. H. ab. So hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Wanderung gemacht und was dazu gelernt.

Wanderung zum Wettkampfzentrum
Nachmittags wandern wir zum Wettkampfzentrum Hochfilzen. Ein Stück den Biathlon WM-Pfad entlang.

Geführte Skitour

Der Samstag steht ganz im Zeichen von langsamen Naturgenuß. Wir bekommen Tourski und Hans Eder führt uns – schöne Aussicht inklusive- hinauf in Richtung Hoametzlhütte. Ich spoiler mal: Es war saugut und ein bißchen anstrengend.

Geführte Skiwanderung.
Wir treffen uns vor der Nordic Acadamy zu Skitour. Hans Eder begleitet uns. (Bilder: KunzPR)

Bei dem Ausblick auf die Leoganger- und Loferer Steinberge ist die Anstrengung schnell vergessen. Erst ein „Gipfelfoto“, dann parken wir unsere Skier vor der Hütte.

Angekommen auf 1200m
Wir haben es geschafft! Angekommen auf 1200 m Seehöhe. (Bild: KunzPR)

Und weil es zufällig Mittagszeit ist, gibt es zur Stärkung einen Almdudler (ich weiß, Coca Cola etc. Manchmal sind Ausnahmen erlaubt) auf der Hoametzlhütte und für den Kohlenhydratspeicher Käsespätzle mit Röstzwiebeln aus dem Eisenpfännchen. Auch wenn das Frühstück gefühlt nur wenige Stunden her war, die Bergluft macht hungrig.

Almdudler und Späz
Zwei Dinge sind für mich in Österreich auch noch Pflicht: Almduler und Spatzen.

Die Abfahrt ins Tal habe ich mit Helm und Begleitung (Danke Charlotte!) grad so hinbekommen. Ich bin ewig keinen Berg mehr auf Skiern hinuntergefahren. Und das letzte Mal waren die Skier definitiv langsamer, der Berg flacher, oder ich einfach mutiger.

Der Abschied am nächsten Morgen fiel allen Teilnehmern dieser Reise nicht so wirklich leicht und es ist faszinierend, wie viel man doch in so kurzer Zeit über Fremde erfährt, wenn man gemeinsamen Aktivitäten nachgeht.
Hochfilzen verabschiedet mich mit strahlend blauem Himmel, knackigem Schnee und ganz viel Sonne.

Leider geht es schon wieder nach Hause
Tschüß Hochfilzen. Tschüß Pillerseetal!
Bahnhof Hochfilzen
Bahnhof Hochfilzen: Der kleine Ort zeigt sich zum Abschied von seiner sonnigsten und allerschönsten Seite

Definitiv ist das Fairhotel in Hochfilzen und das Pillerseetal eine zweite (Winter)reise wert. Ich brauche keine überfüllten Skilifte, um nachhaltigen Wintersport genießen zu können. Langlauf oder Tourenski sind für mich eine klasse Alternative die Gegend kennenzulernen, mich auszupowern und Spaß zu haben.

PS: Weil ich während der Reise gefragt wurde, das fairhotel hat auch barrierefreie Zimmer.

Disclaimer: Vielen Dank für die Einladung zur Pressereise durch den Tourismusverband PillerseeTal und die Agentur KunzPR (Besonderen Dank an Amani, Charlotte und Judith, die es immer wieder schaffen Begeisterung für eine Region und ihre Menschen zu wecken!).


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