Bio-Erlebnistage: Ein Streifzug über den Maxnhof

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Dieses Jahr bin ich im September für die Bio-Erlebnistage an verschiedenen Orten in Bayern unterwegs. Wer hier regelmäßig mitliest, der war schon gemeinsam mit mir und den Kindern  auf dem Grenzmühlenhof zum berittenen Cowboydienstag. Heute nehme ich Euch mit nach Niederbayern in die Hallertau.

Auf dem Maxnhof in der Hallertau

Biobauer Erwin Betzenbichler lud Bio-Interessierte dazu ein, auf dem Maxnhof ökologische und nachhaltige Landwirtschaft zu erleben. Ich war ganz besonders an der Kreislaufwirtschaft interessiert. Die Jüngste wollte unbedingt mit auf den Hof zum Kükenstreicheln.
Gemeinsam fuhren wir am späten Vormittag in die Hallertau nach Aiglsbach. Die Hallertau ist das weltweit größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet. Logisch, daß es sich in Bayern, dem Land des Bieres befindet.
Bei strahlendem Sonnenschein hefteten wir uns, gemeinsam mit anderen Besuchern, an die Fersen von Erwin Betzenbichler, um zunächst die hofeigenen Streuobstwiese in Augenschein zu nehmen.

Flyer BET vor Streuobstwiese
Die Sonne lacht und wir befinden uns inmitten einer riesigen Streuobstwiese.

Die Streuobstwiese

Auf der Streuobstwiese erklärte der Biobauer zunächst den Unterschied zwischen Plantagen- und Streuobstbau. In Plantagenobstanlagen wachsen viele niederstämmige Spindelbüsche auf engem Raum. Die Streuobstwiese hingegen ist eine umweltverträgliche Form des Obstbaus, bei dem bei dem der Einsatz von mineralischen Düngemitteln und chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel ausgeschlossen ist. Das Obst wird hier auf hochstämmigen Baumformen erzeugt. Zudem stehen die Bäume im Gegensatz zu niederstämmigen Plantagenobstanlagen eher „verstreut“ in der Landschaft.

Apfelbaum mit vielen roten Äpfeln
Dieser Apfelbaum biegt sich unter der Last seiner zahlreichen Früchte.

Erwin Betzenbichler baut auf seiner Streuobstwiese Maronen, verschiedene Apfel-, Birnen- und Quittensorten, Zwetschgen und Aprikosen an. Wer sich über die Weiden am Rand wundert: Das sind die ersten Gewächse, die im beginnenden Frühling Blüten bilden. Sie nähren die nebenan beheimateten Bienenvölker.
Diese Wiese wurde 2006 angelegt und umfaßt aktuell 180 Bäume. Einige der Zwetschgenbäume sind durch Wurzelausläufer vermehrt worden. Das heißt, neben dem Mutterbaum hat sich aus der Wurzel heraus ein neuer Baum gebildet. Den läßt der Bauer wachsen, bis er groß genug ist. Erst dann trennt er den Ableger vom alten Baum.

Maronenbäume mit Früchten
Direkt am Eingang stehen Maronenbäume.

Wußtet Ihr, daß in unseren Breiten Maronen wachsen? Ich kenne diese kleinen, mehlig schmeckenden Früchte eher aus der Schweiz. Oder aber vom Weihnachtsmarkt. Diese Bäume können bis zu 400 Jahre alt werden. Beeindruckend oder? Die Früchte sind extrem stachelig, so lange sie noch unreif am Baum hängen.

Die Kinder besteigen neugierig den Traktor.

Der Jüngsten war es warm. Viel zu warm. Der Anflug an schlechter Laune war schnell wie weggeblasen, als sie hörte, daß sie so viel Obst naschen könne wie sie wolle. Für sie war es wohl ähnlich wie man sich das Paradies vorstellte: Sie probierte sich durch sämtliche Apfelsorten, kostete von den zuckersüßen Mirabellen, verspeiste noch ein paar am Baum vergessene Zwetschgen und klaubte eine Birne, die schon vom Baum gefallen war auf. Das Ergebnis: satt und glücklich.

Birnen, Äpfel, Mirabellen und Quitten auf der Streuobstwiese
Birnen, Äpfel, Mirabellen und Quitten sind fast erntereif.

Während sich das Kind den Bauch vollschlug, nahm mir Erwin Betzenbichler die Angst vorm Apfelbaumbeschneiden: Die Regel Ein schlechter Schnitt ist besser als keiner hilft mir vielleicht, nach der Ernte meines kleinen Bäumchens, beherzter zur Schere zu greifen.

Blick auf die Streuobstwiese des Maxnhofs
Die Teilnehmer der Hofführungen hören aufmerksam den Erklärungen von Erwin Betzenbichler zu.

Die Bienenvölker

Direkt am Rand der Streuobstwiese stehen die Bienenstände. Dort summt und fliegt es bei den sommerlichen Temperaturen nach wie vor. Das ist bald vorüber, wenn die Tage wieder kälter und kürzer werden.

Bienenkästen, Waben und Sonnenwachsschmelzer
Bienenstände mit ein- und ausfliegenden Bienen. Daneben eine Honigwabe.
Rechts unten: Sonnenwachsschmelzer.

An dieser Stelle erfahren wir viel über die Bienen und die vielfältigen Aufgaben eines Imkers. Seit dem Frühjahr sind die Bienen eifrig von Blüte zu Blüte geflogen. Für ein Kilogramm Honig müssen die Bienen drei Millionen Blüten besuchen und fliegen dabei eine Strecke, die das sechsfache des Erdumfangs mißt. Es darf nie zu viel Honig entnommen werden, sonst verhungern die Bienen bei schlechtem Wetter. Auf der anderen Seite darf aber nicht zu viel Honig im Bienenstand lagern, sonst hat die Bienenkönigin nicht genügend Platz, um zu brüten und das Volk würde genauso eingehen.
Sollte Euch mal ein Bienenschwarm über den Weg fliegen: Keine Angst. Die Bienen sind auf der Suche nach einem neuen Zuhause und völlig orientierungslos. Sie können dann gar nicht stechen.

Alte Hühnerrassen

Zurück auf dem Hof erzählte die Lebensgefährtin von Erwin Betzenbichler etwas zu ihren Zweinutzungshühnern und wie sie zu den alten Hühnerrassen gekommen ist. Angefangen hat alles damit, daß eine Kundin weiße Eier bestellte. Die Farbe der Eier ist von der Rasse abhängig, nicht vom Futter. Und je weiter sie in die Materie Hühnerzucht eintauchte, desto mehr Gefallen fand sie an unterschiedlichen, alten Rassen. Jetzt gibt es auf dem Maxnhof Eier in verschiedenen Farben.

Die Lebensgefährtin von Erwin Betzenbichler hat ihre Liebe zu alten Hühnerrassen entdeckt und züchtet mit Leidenschaft.

Die Kinder finden die sechs Wochen alten Hühnerküken sehr flauschig. Ich finde, sie passen sehr gut in Winnetou-Filme. Für mich sehen manche von ihnen aus wie zu klein geratene Adler.

Die alten Hühnerrassen sehen den Hühnern, die wir heute kennen fast nicht mehr ähnlich. Aber jede Rasse legt Eier in einer ganz speziellen Farbe.

Im letzten Jahr konnte man während der Bio-Erlebnistage auf dem Maxnhof noch Küken beim Schlüpfen zusehen. In diesem Jahr wurde darauf verzichtet, weil es nicht sicher ist, ob die Küken, denen man an diesem Septembertag beim Schlüpfen zusehen kann, den Winter überstehen.

Obst und Gemüse

Schon bei unserer Ankunft hatten wir die geschützt stehenden Tomatenpflanzen bewundert. Eher eine Plantage als ein Gemüsegarten. An der Hauswand werden rankenden Kirschtomaten gezüchtet. Daneben gedeihen ganz prächtige Weinreben. Bei den Trauben bin ich mir unsicher, um welche Sorte es sich hierbei handelt. Die Früchte laufen eher kegelförmig zu.
Außerdem gibt es Kürbisse, Gurken, Zucchini, Kohlrabi, Karotten, Pfirsiche und noch mehr Pflaumen. Sicherlich habe ich noch etwas vergessen.

Eine Fülle an sonnig reifen Tomaten
Blaue Weintrauben
Weinstöcke bedecken einen Teil der Hauswand.

Was so gar nicht zu Bayern passen will: Die Kiwiplantage auf dem Maxnhof. Ja, tatsächlich können die Kunden im Hofladen ab November bayerische Kiwi kaufen. Sowohl in der Miniversion, als auch in Normalgröße. Faszinierend, oder?

Kleine Kiwis und "normale" Kiwis
Ja, Ihr seht richtig: In Niederbayern wachsen Kiwis!

Enthusiasmus und Freude am Ökolandbau

Während unserer Führung über den Maxnhof machte ich mir so meine Gedanken. Je mehr unterschiedliche Teile wir zu sehen bekamen, desto mehr fragte ich mich, wie viele Menschen wohl auf diesem Hof arbeiten mögen.
Was meint Ihr, wie viele Personen sich um die Hühner kümmern, die Streuobstwiese pflegen, sich im Frühjahr um die Aussaat kümmern, gießen und ernten? Dazu kommen noch der Hofladen und die Kommissionierung und Auslieferung der Waren für das Schulfruchtprogramm. Hin und wieder Führungen über den Hof und Vorträge zu Ökologie-Themen.

Eine Menge Arbeit! – Die von eineinhalb Personen erledigt wird.
Um das auf Dauer durchzustehen, braucht es eine Menge Enthusiasmus und Überzeugung!

 

 

 

 

 


Disclaimer: Dieser Text ist im Rahmen der Kooperation mit meinem Blogsponsor  Bio Erlebnistage entstanden.
Von Anfang Juli bis Mitte Oktober schreibe ich für sie Texte rund um das Thema Bio und die Bio-Erlebnistage in Bayern. Hierbei geht es darum, zu zeigen, daß bio und regional zusammengehören, und daß bio mehr ist als nur ein Label auf einer Verpackung. Die Veranstaltungen, die ich in diesem Rahmen besuche, sind abgesprochen. Meine Meinung bleibt natürlich weiterhin meine eigene.

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