Heute ist der zwölfte zwölfte zweitausenundzweiundzwanzig. Was für ein Tag! Heute hätte ich nicht nur 12 Bilder meines 12. Februars, nein, es wären mit Sicherheit locker 112.
Denn heute durfte ich an einem ganz besonderen Ereignis teilnehmen, auf das ich Dank “Ihr wisst schon wem” beinahe zwei Jahre gewartet habe. Aber der Reihe nach:

Weckerklingeln um kurz vor sieben, da ich versprochen habe mit Charly und Gasthund eine Runde im Wald zu drehen bevor ich aufbreche. Als ich mit den acht Beinen zurück bin, ist das Frühstück schon fertig. Seit etwas mehr als zwei Jahren praktiziere ich intermetierendes Fasten (ich lasse das Frühstück aus und habe zwischen Abendessen und der Mittagsmahlzeit 18 Stunden Abstand. Bisher war das total angenehm, seit ein paar Tagen komme ich nicht mehr so recht klar damit. Also wieder Frühstück.

Bild1: Der Weltbeste hat Frühstück gemacht. Normalerweise frühstücke ich nicht, aber heute muss es sein. Ich habe viel vor.

Um zehn nach acht sind meine beiden Mitstreiter bereits vor der Tür und wir fahren gemeinsam nach Roth-Eckersmühlen. Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde und vergeht wie im Flug. Als wir am Zielort ankommen, sind schon ein paar andere vor Ort und nach dem obligatorischen Impfstatuscheck gibt es erst mal Kaffee und eine Vorstellungsrunde. Lustigerweise gibt es viele Gemeinsamkeiten. Entweder haben die anderen Kursteilnehmer das Ticket zu Weihnachten bekommen oder sie sind Informatiker. Für mich trifft weder das Eine noch das Andere zu, ich habe zumindest Informatiker in der Familie, was soll’s.

Bild2: Wir kommen in Eckersmühlen am Eisenhammer an und bekommen neben der Einführung in die Sicherheitsmaßnahmen erst mal einen Kaffee.

Sicherheitsmaßnahmen? Weshalb das? Nunja, ich bin mit neun anderen im Historischen Eisenhammer, um an einen Messerschmiedekurs teilzunehmen. Die alte Schmiede war bis 1974 noch aktiv und die Geräte und das Gebäude sind im Originalzustand erhalten. Hier findet mein gebuchter Messerschmiedekurs statt. Von März bis Oktober kann man hier an Führungen teilnehmen.

Bild3: Der Historische Schmiedehammer hat imposante, alte Maschinen, die allesamt über breite Eisenbänder angetrieben werden.

Jürgen Rosinski, der Schmied aus Weltenburg ist extra für den Kurs angereist. Er redet beinahe ohne Punkt und Komma und gibt sein Wissen rund um das Thema Stahl und Messerschmiedekunst gerne preis. Zu diesem Thema hat er sogar einige stark nachgefragte Bücher veröffentlicht, wie Messer schmieden für Anfänger. Eventuell hätte ich das vorher mal durchlesen sollen.

Bild4: Der Kursleiter Jürgen Rosinski ist nicht nur Schmied, sondern auch gelernter Maurer, Zahntechniker und hat unzählige Berufe gemacht. Um sein Wissen weiterzugeben, hat er mehrere Bücher zum Thema Messerschmieden verfasst.

Wenn Schmiede über Steinkohle ihr Metall erhitzen, dann stinkt es gewaltig. Der Grund: In der Kohle enthaltene Stoffe wie z.B. Schwefel.

Bild 5: Hier sieht man genau die Fremdstoffe, die in Kohle enthalten sind. Die verbreiten dann den unliebsamen Geruch beim Verbrennen.

Im Historischen Eisenhammer gibt es viel zu sehen: alte Maschinen, manche davon werden noch regelmäßig in Gebrauch genommen, ein riesiger Kohleofen, mehrer Gasöfen, ein Arsenal an Hammern, Ambossen und alten Zeichnungen die an den Wänden von längst vergangenen Zeiten zeugen. Und die Schürzen der Schmiede, die hin und wieder zum Arbeiten an diesen Ort kommen.

Bild 6: Die Schürzen der Meister hängen als Zeugnisse harter Arbeit an der Wand.

Wir üben ein bißchen an einer Eisenstange eckige Spitzen zu hämmern und dann geht es richtig los. Jeder sucht sich Zielform- und Größe des herzustellenden Messers aus. Mit dem Lufthammer wird das Metallstück vorgeformt, was uns sicher einige Stunden an Hammerschlägen erspart hat.

Bild7: Nach der Übungsrunde gilt es die Messerform zu wählen. Eins, zwei oder 3?

Mein Blick fällt auf die Propangasflasche, die in einem Bottich mit Wasser steht, und um die sich nach kurzer Zeit ein dicker Reifen aus Eis gebildet hat. Verdunstungskälte.

Bild8: Faszinierend, die Propangasflasche steht im Wasser und es hat sich Eis gebildet.

Langsam wird es allen warm und die Erkenntnis setzt ein, dass Schmieden ein Knochenjob ist. Ich finde es spannend, wie man aus einem goben Stück Eisen ein doch recht filligranes Messer herstellen kann. Man spricht hier von “Austreibung”.

Bild9: Man kann das Messer schon erahnen oder?

Nach fünf Stunden Theorie und harter Praxis ist der Rohling geformt. Anstrengendm aber es tut gut, hin und wieder etwas mit den eigenen Händen erschaffen zu haben. Naja oder mit dem Hammer herausgeklopft. Trifft es vielleicht eher.

Bild10: Blick nach getaner Arbeit. Müde und zufireden.

Wie sagt unser Meister Jürgen: “Die Hälfte der Schmiedearbeit macht der Amboss.

Bild11: Das Werkzeug: Amboss und Hammer. Hier eine japanische Hammerversion.

Die Zeit im Eisenhammer verging wie im Flug. Morgen geht es ans Finetuning und ich bin sehr gespannt, ob das Messer geignet sein wird, um in meiner Küche seine Arbeit zu verrichten. Wieder zurück zu Hause muss ich erst mal die Beine hochlegen und mir die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. War doch anstrengender, als gedacht.

Bild12: Wieder zu Hause und erst mal unter die Decke und den Tag im Sonnenschein revue passieren lassen.

Mehr Bilder von 12von12 des heutigen Tages gibt es wie immer bei Caro, mein Februar der vergangenen Jahre hier:

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