Warum blogge ich? Seit März 2012 schreibe ich vor mich hin. Mitten hinein in dieses weBLOGg. Was zunächst als Rezepttagebuch begann, wandelte sich recht schnell zu einer Kommunikationsplattform. Waren die Themen anfangs von Alltagsbetrachtungen geprägt, beschäftigte ich mich immer mehr mit dem Thema Familie und Familienleben. Mit dem Alter meiner Kinder veränderten sich Erzählweise, Schwerpunkt und Blickwinkel.
Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich keine Lust mehr hatte.

Einfach mal machen

Mit dem Bild eines Gänseblümchens und den fünf Worte: „Ich habe den Frühling gefunden“ begann ich auf Blogspot zu schreiben.
Doch vorher gab es viel Kopfkino und viele andere Blogs, die mich zum Schreiben animierten. Ich stöberte nach Rezepten, Einrichtungsideen und Dingen, die man mit drei Kleinkindern anstellen kann.

Mein allererstes Bloglayout bei Blogger. Und mein bewegendster Artikel In Silence.

Es machte Klick, als ich davon las, daß das Internet keine Einbahnstraße ist und es keinen Sinn macht nur Inhalte zu konsumieren. Inhalte erstellen macht Arbeit und deshalb sollte man als Konsument auch Produzent sein.
Hier war ich nun: Völlig unbedarft und völlig in der Überzeugung, daß sowieso niemand auf meine Seite kommen würde. Dann kam Bettina S. Sie war die allererste, die einen Kommentar unter einem Blogpost hinterließ und wir führten seitenlange Diskussionen in der Kommentarspalte. Keine Ahnung, wie sie hierhergefunden hatte. Wohl aus Zufall. Denn ich hatte noch nicht begriffen, daß ich für immer alleine bleiben würde, wenn ich nicht den Mut zusammennehme und auch auf anderen Blogs Kommentare hinterlasse.
Das kam irgendwann wie von selbst, denn durch das Blogger-Profil war das recht simpel.

Einfach mal gucken, was die Nachbarn treiben

Wie lernen Kinder? Selbstverständlich durch Nachahmung, Übung und Trial and Error. Und genau das machte ich in etwa dieser Reihenfolge durch.
Ich las mich bei den Nachbarn durch. Das klingt vielleicht komisch, aber bei Blogger gab es die Buttons „vorheriger Blog“ und „nächster Blog“ und man konnte sich prima durch die unterschiedlichsten Blogs stöbern.
Dabei bin ich recht schnell auf meine erste Blogparadegestoßen: Zwölf von Zwölf, organisiert von Dani von Draußen nur Kännchen (Spoiler Fünf Jahre später habe ich Dani persönlich getroffen). Das Prinzip Blogparade ist so simpel wie gut: Jemand gibt ein Thema vor (hier: am 12. eines Monats 12 Bilder des Tages zu posten) und lädt andere Blogger ein mitzumachen. Die verlinken dann den Einladenden und verlinken sich selbst auch bei ihm. So kann man am Ende der Blogparade viele neue Blogs und Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken.

Irgendwan kam dann ein neues Logo. Gezeichnet von Annette von blick7.

Einfach mal treffen: Digital wird real

Und plötzlich sitze ich unheimlich aufgeregt im Zug nach Berlin, um andere Blogger zu treffen. Knapp zwei Jahre nach meinem Bloggerdebüt hatte ich eine Karte für einen Workshop zum Thema starke Mütter, starke Töchter gewonnen. Keine Ahnung, was mich erwarten könnte, auf jeden Fall sollte ich auf andere bloggende Menschen treffen.
Wäre ich nicht gefahren, ich weiß nicht, wie sich mein Blog entwickelt hätte. Dort traf ich nämlich auf sehr starke Mütter und Bloggerinnen (hier nachzulesen), die mir zunächst verdeutlichten, daß es verschiedene Nischen für Blogger gibt. Für jegliche Art von Interessen. So zum Beispiel für Essen, DIY oder Familien.
Ich fühlte mich zu dem Zeitpunkt am ehesten in der Familienecke aufgehoben und es dauerte ein paar Jahre, bis ich feststellte: Ich brauche keine Schubladen.
Dieses erste Treffen mit den Menschen hinter den Blogs hat mir eine Welt außerhalb meiner persönlichen Lebensblase gezeigt, und die Feststellung, daß es immer jemanden gibt, der sich aktuell in einer ähnlichen Lebenssituation befindet.
Und genau das Gegenteil gab es auch: Ich wurde zum Lieblingsbloggertreffen eingeladen. Hier kamen Blogger aus ganz unterschiedlichen Nischen und Lebenssituationen zusammen und verbrachten ein Wochenende zusammen in Berlin (Spoiler: 2019 fand das Treffen zum 6. Mal statt und ich war zum 5.Mal dabei.)

Das obligatorische Fuußfoto der Lieblingsblogger.

Nun dauerte es nicht lange und ich besuchte meine erste Konferenz zum Thema Bloggen. Austausch und Vernetzung. Zu Themen, die mich persönlich bewegen und blogspezifische Themen.

Einfach mal etwas zurückgeben

Vier Jahre nach meinem ersten Blogpost hatte ich meine eigene Bloggerkonferenz. Mit viel Arbeit, vielen Tränen und unglaublich gutem Ergebnis.
Auch wenn die denkst gerade pausiert, ich bereue nichts. Denn ich konnte Menschen motivieren, zum Nachdenken bringen und miteinander vernetzen.

Anja war ein Teil von denkst und auch sie hätte ich ohne das Bloggen nie kennengelernt. Obwohl wir eine zeitlang keine 300 Meter von einander entfernt wohnten. Photocredit: Frau Vau Fotografie


Auf einer der Konferenzen lernte ich irgendwann Tanja Praske kennen. Eine Frau, die mit ihrem unglaublichen Fachwissen fantastische Dinge auf die Beine stellt und andere Leute mitreißen kann. Sie lenkte meinen Vernetzungswillen in Richtung Bloggerclub e.V., wo ich mich seit einiger Zeit versuche zu engagieren. Hier geht es in erster Linie darum, den Bloggern eine gemeinsame Stimme zu geben und sich zu vernetzen. Wer einen Club mit ADAC Mentalität erwartet, der ist hier falsch.
Wer aber bereit ist, sich für die gemeinsame Idee des Schreibens im Internet und der Vernetzung untereinander mitzugestalten, der ist goldrichtig.

Aus virtuellen Texten entstehen Freundschaften

Das Bloggen hat mein Leben bereichert. Nach anfänglicher Skepsis habe ich sehr sehr viele Menschen aus dem Internet auch real getroffen. Sei es Bloggerkollegen oder Menschen von Twitter oder Instagram. Und aus vielen sind gute Bekannte geworden, manche darf ich sogar Freunde nennen.
Alleine diese Tatsache würde mich immer wieder dazu bringen mit dem Ins Internet-Schreiben zu beginnen.

No pictures please
Hier gibt es keine Bilder. Privatsphäre für alle.

Wo stehe ich jetzt und wie geht es weiter?

Bisher habe ich knapp 600 Beiträge veröffentlicht und meine Leserschaft hat sich stetig vergrößert. Anfangs wurde noch fleißig kommentiert, jetzt tippen die Menschen die Kommentare lieber in Twitter, Facebook oder unter Bildchen auf Instagram. Das finde ich sehr schade, denn die sozialen Medien erscheinen mir sehr vergänglich. Aber darüber zu lamentieren wäre auch sinnlos, deswegen versuche ich mich selbst am Riemen zu reißen und setze wieder öfter Kommentare unter Blogtexte, die mich berührt haben.

Als die erste Kooperationsanfrage in meinem Postfach lag, wurde ich vor meinem Bildschirm gleich drei Zentimeter größer. Jemand möchte, daß ich etwas über sein Produkt schreibe und ich bekomme noch Geld dafür? Kraßer Scheiß!
Na klar habe ich da nicht Nein gesagt. Und na klar war der Text scheiße, (ich lasse ihn trotzdem ohne Werbelink stehen – es liest ihn ja doch keiner), aber er hat mir die Erfahrung beschert, daß ich auf meinem Blog nichts nach Vorgabe bewerben kann.
Kurz probierte ich das Konzept mit Blogsponsoren aus und stelte wieder fest: Ich kann das nicht.
Also lasse ich es einfach, benutze meinen Blog als Visitenkarte und schreibe für andere Menschen auf anderen Plattformen.

Der Zeitpunkt, an dem ich keine Lust mehr hatte

Warum blogge ich? Weil ich so viele Gedanken und Ideen habe, die ich teilen möchte. Aber nicht nur das, ich möchte sie mit den Lesern teilen, und Feedback bekommen, diskutieren und meine enge, kleine Filterblase erweitern.
Es gab immer wieder Momente, in denen ich keine Lust mehr hatte und ich zu viel Input aus meiner Internetblase bekam, Ich konnte dann nicht mehr filtern, was für mich wirklich Relevanz hat und was mich eigentlich gar nicht betrifft.
Aber mein Blog, meine Regeln.
Oft dauert es nur wenige Tage und es macht wieder Spaß.
Denn ich ziehe persönlich so viel Wissen, Energie und schöne Momente aus dem Bloggen, die möchte ich nicht missen.

Den Text schicke ich jetzt in die Schweiz, zur Blogparade der Swissblogfamily #DarumBloggeIch, Und gebe die Frage gleich weiter: Warum blogst Du?




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