365 days of Blogging– 63

365 days of Bloggging Titel

Zugegeben, ich habe ein bißchen Bammel. Wir sind schon einige Male mit dem Zug verreist und ich erinnere mich an verschiedene unangenehme Situationen unterwegs mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Hoffnung liegt darin, daß die Kinder größer, die Verbindungen schneller sind und das W-Lan zuverlässiger funktioniert. 4. März 2019 Die Reise beginnt vielversprechender, als der Wetterbericht vorhergesagt … Weiterlesen

Tschüß denkst – ich muß nachdenken!

Wer heute einen Text zu #365daysofblogging erwartet, den muß ich leider enttäuschen. Heute geht es um eine Herzensangelegenheit. Die Bloggerkonferenz denkst in Nürnberg begleitet mich seit Herbst 2015 und ich habe viel Energie und Herzblut in die Konferenz gesteckt. Und ich bin sicher, es steckt noch viel Potential in der denkst. Gerade, weil das Grundthema … Weiterlesen

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Am vergangenen Wochenende habe ich auf der Bloggerkonferenz #denkst18 sehr viel über Medienkompetenz diskutiert. Dabei ging es in erster Linie um das Thema Smartphone und was ich als Eltern wissen sollte, bevor ich meinem Kind ein solches Gerät in die Hand drücke.
Aber Medienkompetenz ist mehr als Gerätekompetenz.
Im folgenden Beitrag soll es darum gehen, wie Kinder und Jugendliche gefördert werden können, die nicht nur konsumieren wollen, sondern auch selbst Inhalte produzieren möchten. Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel Adrian aus meinem Interview zu #medienkompetent.
Sei es Programmieren lernen, Spiele entwickeln oder professionell YouTube-Videos drehen:
Es gibt im Netz einige Angebote für Eltern, die sich mit dem Thema Medienkompetenz befassen. Der Schwerpunkt liegt dabei meist auf einem verantwortungsvollen Konsum von Inhalten in den neuen Medien. Angebote selbst aktiv zu werden und Inhalte zu produzieren sind dagegen sehr rar.

Computer Feriencamp

Medienkompetenz zu besitzen bedeutet eben nicht nur die Fähigkeit Inhalte verantwortungsvoll zu konsumieren, sondern auch selbst welche zu produzieren.
Eines dieser Angebote für Kinder und Jugendliche ist das Computerferiencamp. Das Camp bietet seit 1992 Ferienbetreuung der ganz besonderen Art an: IT-interessierte Kinder verbringen hier ihre Freizeit gemeinsam mit Computerunterricht, wobei der Fokus auf dem Miteinander liegt.
Christian Gerstgrasser, selbst Teilnehmer der ersten Stunde, Betreuer und jetzt Organisator des Camps, erläuterte mir im Interview das Besondere an dieser Art der Ferienbetreuung.

Herr Gerstgrasser, ich las, Sie sind eigentlich Steuerberater. Weshalb sind Sie seit über 25 Jahren für das Computercamp aktiv?

Ich brenne für das Thema und finde es gerade in Anbetracht von Digitalisierung und Bildung 4.0 extrem wichtig Programmierung als neue Fremdsprache zu sehen.

Wie muß ich mir das Computercamp vorstellen und wen möchten Sie mit Ihren Inhalten ansprechen?

Das Computercamp verknüpft Ferienlageratmosphäre mit Computerunterricht. Gedacht ist es für alle it-affinen Kinder, die Gleichgesinnte suchen. Unser Fokus liegt auf dem gemeinsamen Miteinander. Hier herrscht die geeignete Atmosphäre, um Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen. Häufig bilden sich Freundschaften, die über viele Jahre bestehen.

Ein Seminar im Rahmen des Computercamps
Ein Seminar im Rahmen des Computercamps. Bild: Computercamp

Welche Kurse kann man bei Ihnen belegen?

Sommerferienkurse
Unsere Kurse finden in den Sommerferien statt und man kann zwischen 20 Kursen wählen, von denen manche aufeinander aufbauen.
Eine Einheit umfaßt eine komplette Woche, man kann aber problemlos auch länger buchen.
In diesem Jahr hat ein Kind sogar seine kompletten Ferien bei uns verbracht.

Programmieren, YouTube oder Gameing
Inhaltlich gibt es verschiedene Ausrichtungen. Wir decken Hardware-Themen ab, Programmieren, oder kreative Bereiche wie Gamedevelopment und haben eine YouTube-Akademie. Hier dreht sich zum Beispiel alles um die bei vielen Jugendlichen so beliebten Let’s Play Filme.

Wer entwickelt die Kurse und unterrichtet im Computercamp?

Unser EDV-Unterricht ist komplett selbst entwickelt. Wir legen großen Wer auf didaktische und pädagogische Aufbereitung.
Vielleicht kennen Sie Felix Nattermann, er ist seit 30 Jahren Lehrer und Erlebnispädagoge und entwickelt für uns Kurse und unterrichtet auch selbst. (Ich lese gerade das Buch von Felix Nattermann und werde demnächst hier darüber berichten. )

Die speziell für die Zielgruppe aufbereiteten Inhalte werden von geschulten Fachkräften vermittelt. Bild: Computercamp

Für die Freizeit außerhalb des Unterrichts haben wir geschulte pädagogische Betreuer. Den Unterricht übernehmen Lehrer oder Studenten aus der IT. Es gibt auch Betreuer, die in beiden Bereichen tätig sind.
Vor den Kursen werden alle Mitarbeiter speziell geschult.

Worauf legen Sie besonderen Wert im Computercamp?

Unser EDV Unterricht beginnt dort, wo Schulen nicht mehr wollen oder können. Oft fehlt es an Lehrkräften und der (finanziellen) Ausstattung der Schulen.
In Kleingruppen wird das Wissen vermittelt. Die Kinder lechzen nach Input und wollen mehr lernen als einen Computer einfach nur zu bedienen.

Gemeinsames Freizeitprogramm mit sportlichen Aktivitäten. Bilder: Computercamp

Neben dem Unterricht liegen uns ganz besonders die Freizeitaktivitäten am Herzen. Oft kommen Nerds, Freaks und Außenseiter zu uns, die zu Hause nicht viele soziale Kontakte haben. Hier schaffen wir eine Begegnungsplattform, auf der sie einerseits Anschluß finden können, andererseits auch in Bereichen Erfolge haben können, die ihnen im Alltag nicht so liegen.
Deshalb bieten wir an die Kinder angepaßte Freizeitaktivitäten an. Wir sind viel draußen und nehmen zum Beispiel das Konzept von Computerspielen mit in die Natur: Umgesetzt als Outdoorspiele.

Wer sind Ihre Teilnehmer?

2018 haben wir Kinder und Jugendliche aus 14 verschiedenen Ländern zu Gast. Sogar aus Asien und Nordamerika finden sie den Weg zu uns. Viele Teilnehmer kommen immer wieder. Ein Jugendlicher kommt seit 8 Jahren und hat schon 24 Wochen bei uns im Camp verbracht.
Ich freue mich, wenn ich die Entwicklung der Kinder über Jahre verfolge und sehe, wie wir auch dazu beitragen Persönlichkeiten zu stärken.

Melden sich auch Mädchen für das Camp an und buchen diese bestimmte Kurse?

Wir haben auch Mädchen in unseren Kursen. Allerdings nur etwa zehn Prozent. Weshalb das so ist, konnten wir noch nicht feststellen. Egal ob Programmieren oder YouTube, sie interessieren sich für alle Kurse

Egal ob Mädchen oder Jungs: Das IT-Interesse ist da. Bild: Computercamp

Was denken Sie, was sich im Hinblick auf Digitalisierung in der Bildung ändern muß?

Wir hatten das Thema Medienkompetenz als einen optionalen Workshop.  Das Interesse daran war eher gering. Und doch haben wir festgestellt, daß die Kinder gut mit Anwendungen umgehen können, aber der Wissensbackground nicht ausgeprägt ist.
Meiner Meinung nach muß ein Großteil der Medienbildung in der Schule passieren. Die Eltern können dabei nur bedingt helfen.

#medienkompetent – Die Blogparade zur denkst18

Für unsere Bloggerkonferenz denkst in Nürnberg haben Sven, Anja und ich zur Blogparade #medienkompetent aufgerufen.
Wir wollen wissen, wie medienkompetent wir Erwachsenen selbst sind, wie wir das unseren Kindern vermitteln können und welchen Einfluß Medien auf unser tägliches Leben haben.

Wie #medienkompetent sind Jugendliche?

Wenn über Medienkompetenz geredet wird, dreht sich der Fokus meist darum, wie Medienkompetenz vermittelt werden kann. Doch oft vergessen wir auch die zu fragen, die es unmittelbar betrifft: Die Kinder und Jugendlichen, die keine Telefonzellen oder Kassettenrekorder mehr im aktiven Gebrauch kennen. Die, die mit 4D Ultraschall schon im Mutterleib überwacht werden und auf dem Tablet rumwischen noch bevor sie laufen können.
Um einen Jugendlichen zum Thema #medienkompetent zu Wort kommen zu lassen, habe ich Adrian interviewt. Er ist vierzehn Jahre alt und hat mit mir darüber gesprochen, wie sein täglicher Umgang mit Medien aussieht.

Jugendliche am Laptop
Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit mit digitalen Medien. Doch wie kompetent gehen sie damit um?

Hier das Interview mit Adrian, 14 Jahre

Der Gedanke, Adrian zum Thema Medienkompetenz zu interviewen, kam mir während eines Gesprächs mit seiner Mutter. In einem Nebensatz erzählte sie, daß ihr vierzehnjähriger Sohn ihre Firmenwebsite betreut. „Er kann das viel schneller als ich und kennt sich allgemein besser auf dem Gebiet aus.“ war die Begründung. Ich war ehrlich überrascht und wollte Genaueres erfahren.
Haben alle Vierzehnjährigen so weitrechende Kenntnisse? Welche Medien nutzen sie zu welchem Zweck und was wünschen sich Jugendliche von den Eltern in Bezug auf Mediennutzung?

Welche Medien nutzt Du in Deiner Freizeit?

Ich lese Tageszeitung und Onlinezeitungen. Wenn der Titel interessant ist, lese ich auch mal den aktuellen Spiegel.

Seit wann nutzt Du aktiv digitale Medien?

Etwa seit vier bis fünf Jahren. Mein Einstiegsmedium war die Maus-Seite vom WDR.

Was ist für Dich Medienkompetenz?

• Man weiß, was man macht.
• Man versteht, wie es aufgebaut ist.
• Man weiß, was wo ist, wo man eher die Finger von lassen sollte.

Habt Ihr in der Familie bestimmte Mediennutzungsregeln und kennst Du die Gefahren im Internet?

Meine Eltern lassen mir freie Hand. Einzige Bedingung ist, daß es in der Schule gut läuft. Ansonsten gibt es Beschränkungen.
Ich habe mir selbst in meinem Browser ein Plugin installiert, das mir sichere Inhalte anzeigt. Anhand eines Ampelsystems werden jugendgefährdende Inhalte angezeigt.

Womit beschäftigst Du Dich, wenn Du Smartphone und co. benutzt?

[Viele der Onlinedienste, die Adrian im Folgenden erwähnt, hatte ich noch nie gehört und mußte sie erst mal nachschlagen und habe sie auch verlinkt.] Auf YouTube und Twitch schaue ich mir Let’s play Videos (Computerspiele werden vorgeführt und kommentiert) an. Wenn in der Schule von irgendwelchen YouTube Stars die Rede ist, bin ich eher genervt, das interessiert mich nicht.
Ich habe einen Raspberry Pi (Einfacher Ein-Platinen Computer, der mit dem Ziel entwickelt wurde jungen Menschen Programmier- und Hardwarekenntnisse einfach zu vermitteln), mit dem ich zum Beispiel über Alexa meinen Luftwäscher steuere. Dafür habe ich mir bei GitHub (Onlinedienst, der Software-Entwicklungsprojekte auf seinen Servern bereitstellt) ein Plugin zur Ansteuerung von Alexa gesucht.
Am liebsten programmiere ich in Phyton (universelle, höhere Programmiersprache) und suche bei technischen Problemen auf Stack Overflow (Forum für Fragen zu Thema Softwareentwicklung)
Wie siehst Du die Sache mit dem Datenschutz im Internet? Machst Du Dir darüber Gedanken?
Ich nutze als Suchmaschine duckduckgo.com. Im Vergleich zu Google sind hier meine Daten geschützt, weil die Suche anonymisiert wird. Und doch bekomme ich die gleichen Ergebnisse angezeigt, denn diese Suchmaschine verwendet die Engine von Google.
Twitter nutze ich nur passiv. Hier erfahre ich, wenn Leute aus meinem Netzwerk in anderen sozialen Netzwerken posten. Mein Instagram Kanal ist nur für Freunde und ist geschlossen. WhatsApp nutze ich aber auch.
Wie sieht es mit Medienbildung in der Schule aus und entspricht der Informatikunterricht Deinen Fähigkeiten?
[Bei dieser Frage mußte Adrian lachen] Medienbildung gab es bisher so gut wie gar nicht. Der Informatikunterricht ist ein Einstieg in die Programmierung, aber nichts, was mir persönlich jetzt weiterhelfen würde.

Sprecht Ihr unter Freunden über das Thema Medienkompetenz?

Eigentlich nicht. Wenn dann nur auf der Metaebene.

Mal ehrlich: Bist Du ein Durchschnittskind in Bezug auf Medienkompetenz?

Wohl eher nicht, die meisten meiner Freunde sind eher reine Konsumenten.

Wo siehst Du Deine berufliche Zukunft?

Irgendwo im Bereich der Informatik oder der Tontechnik.

Welche Empfehlungen kannst Du Eltern im Umgang mit ihren Kindern und dem Smartphone geben?

Ganz ehrlich? Verbote sind blöd. Und ich glaube Jungs werden da noch rebellischer als Mädchen und übertreten sie bewußt.
Zeigt ehrliches Interesse, womit sich Eure Kinder im Netz beschäftigen. Helft ihnen, wenn sie Fragen haben oder etwas nicht verstehen. Aber bevormundet sie nicht!

 

Mach mit!

Du hast auch eine Meinung zum Thema #medienkompetent? Dann hau in die Tasten und mach mit: Noch bis zum 20. September bei der Blogparade der Bloggerkonferenz denkst.