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Meine drei Zwerginnen sind im Abstand von zwei beziehungsweise zweieinhalb Jahren zur Welt gekommen. Für uns Eltern war das der ideale Zeitpunkt. Wenn es den gibt. Aber wie ist das für die Kinder selbst?

Vorgestern gab es auf Twitter eine Diskussion, ob das mittlere Kind es schwerer hat als die anderen beiden. Andrea von MeWorkingMom, Marion Beck, und Steffi von Mamahochdrei haben genau wie ich die Sorge, daß das sogenannte Sandwichkind in irgendeiner Weise zu kurz kommt.

Geschwisterposition bestimt Persönlichkeitsentwicklung?

Sicherlich hängt die Geschwisterposition eng mit der Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes zusammen. Das Leben stellt an Sandwichkinder ganz andere Herausforderungen als an Erstgeborene oder Nesthäkchen. Sie müssen sich alle unterschiedlich behaupten lernen oder lernen wie geteilt werden muß.
Das erstgeborene Kind wird mit der Ankunft des Geschwisterchens vom Thron gestoßen, das Mittlere Kind muß von Anfang an Teilen.
Doch haben es Sandwichkinder auch wirklich schwerer?

Die Statistik sagt ja.

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat Statistiken über geschwisterkinder ausgewertet und ist zu dem Schluß gekommen, daß objektiv das Sandwichkind immer als Verlierer dasteht. Dazu würde eine einfache Rechnung aufgemacht:
Selbst wenn seine Eltern versuchen, alle die ihnen zu Verfügung stehenden resourcen (Nahrung, Geld, Zeit) gerecht aufzuteilen bekommt das mittlere Kind unterm Strich weniger.

Das älteste Kind bekommt in der Einzelkindphase die vollständige elterliche Fürsorge und kann schon mal einen Vorsprung gegenüber den Folgekindern aufbauen. Genauso wird dem Nesthhäckchen die volle Aufmerksam zu teil wenn die beiden Größeren schon zeitweise aus dem Haus sind. Nur das Sandwichkind muß mit dem Größeren und dem Kleineren immer teilen und kommt so zu kurz. Verstärkt wird das Ganze durch einen geringen Abstand in der Geschwisterfolge und wenn alle drei Kinder das gleiche Geschlecht haben.

Schadet die Sandwichposition dem Kind?

Statistisch gesehen bekommen mittlere Kinder weniger Förderung und weniger Aufmerksamkeit und sie gehen dann den ausgetretenen Pfad ihrer großen Geschwister. Ihr Ansporn kann sich oft in Grenzen halten, da die Eltern vieles als selbstverständlich hinnehmen. Auf der anderen Seite sind sie auch nicht dem gleichen Erwartungsdruck ausgesetzt, den die Erstgeborenen verspüren. Daß die Eltern sie nicht mehr ständig beobachten und entspannter -weil erfahrener- sind kann auch ein Entwicklungsvorteil sein.

Was kann man generell als Eltern tun?

Die Mittleren brauchen besonders viel Aufmerksamkeit und als Eltern muß man ihnen immer wieder neu zeigen, daß sie etwas Besonderes für einen sind. Leistungen sollten zwar nicht maßlos gelobt werden, doch man muß ihnen deutlich machen, daß sie nicht selbstverständlich ist und man stolz darauf ist.
Damit sich das Sandwichkind nicht besonders auffällig verhalten muß, um Aufmerksamkeit zu bekommen sollte man ab und zu auch etwas mit ihm alleine unternehmen und bewußt „Nein“ zu den anderen Beiden sagen.

Wie ist das bei unserer No.2?

Sie ist schon öfter gefragt worden, ob sie nicht gerne noch ein Geschwisterchen haben möchte. Ihre Antwort spiegelt, wie sie sich in ihrer Geschwisterposition fühlt: „Niemals, ich wünsche mir Einzelkind zu sein!“

Als die große Zwergin zwei wurde, kam der Wunsch nach einem zweiten Kind auf. Es war von vornherein klar, daß wir mindestens zwei Kinder haben wollten und nun war der perfekte Zeitpunkt dafür (wenn es den den gibt). Der Wunsch wurde auch prompt erhört und so kam unsere Mittlere zwei Jahre und drei Tage nach ihrer großen Schwester zur Welt.
Meine Hebamme wußte es direkt nach der Geburt, ich kann es rückblickend nur bestätigen: Die Geburt hat das Kind sehr geprägt: Sie hat den Weg in den Geburtskanal lange nicht gefunden und kam dann als Sternengucker ziemlich verknautscht auf die Welt. Die Dramatik konnte ich selbst erst deuten, als die Hebamme sagte, sie hätte mich von zu Hause ind die Klinik verlegen müssen, wenn es noch länger gedauert hätte.

Sie ist anders. Aber

genauso toll wie die anderen Beiden. Sie ist verschlossener, ruht aber mehr in sich. Sie ist empfindlicher bei fast allem (Klamotten kneifen, sie kriegt die Krise wenn jemand auf ihren Teller faßt oder wenn Speisen aussehen als hätte jemand davon abgebissen). Sie geht nicht so sehr aus sich heraus und man weiß oft nicht, was sie bedrückt. Sie weiß oft selbst nicht, ob sie Nähe möchte oder lieber nicht.
Sie treibt mich oft in den Wahnisnn, weil sie aus banalen Dingen ein Problem machen kann und sie hypersensibel reagiert.

Wie ich damit umgehe?

Ich habe oft Angst, daß sie unter die Räder kommt. Schon als kleines Kind konnte sie manchmal nur brüllen wenn etwa nicht paßte. Für sie ist es schwierig auszudrücken was sie gerade braucht. Und deswegen geht sie oft unter. In dem Lärm den die beiden anderen Kinder veranstalten, um gehört zu werden.
Die nonverbalen Signale kommen erst dann, wenn es gar nicht mehr anders geht. Wenn die Seele überläuft.

Ich versuche genau hinzuhören. Mit ihr viel zu reden. Oder mich einfach nur zu ihr zu setzen und DA zu sein. Und den Geschwistern zu sagen: „Jetzt habe ich ausschließlich Zeit für Eure Schwester!“ Und mit Ihr auch ganz bewußt alleine etwas zu unternehmen.
Abends beim Ins Bettbringen nehmen wir uns ein paar Minuten, um den Tag revue passieren zu lassen. Was war das Schönste heute, was möchtest Du morgen gerne machen? Oft möchte sie lieber von mir wissen, was bei mir war. dann dringe ich auch nicht weiter in sie. Sie weiß, das sie reden kann wenn sie möchte.

Und ich werde sicherlich kein viertes Kind mehr bekommen. Auch wenn die Versuchung groß ist. Noch mehr Konkurenz würde sie nicht verkraften.

Welche Erfahrungen habt Ihr denn mit Euren Sandwichkindern? Habt Ihr Tipps für mich für den Umgang mit dem mittleren Kind? Vielleicht wart Ihr selbst eines?

Gruß
Suse