Unsere Verantwortung als BloggerInnen

Müssen BloggerInnen Mißstände aufzeigen? Müssen sie kritisch sein oder dürfen sie einfach alles abnicken, aus welchen Gründen auch immer? Trage ich Verantwortung als BloggerIn?
Diese Frage stelle ich mir seit Langem und ich finde einfach keine Antwort darauf.

Neulich war ich auf einer Veranstaltung, die sich an BloggerInnen und InfluenzerInnen aus der Metropolregion Nürnberg richtete. Der Flughafen Nürnberg hatte im Rahmen des Nürnberg Digital Festivals 100 Blogger, YoutuberInnen und InstagrammerInnen eingeladen.
Ich war sehr gespannt, denn das Ziel BloggerInnen zu vernetzen verfolge auch ich mit meinem Engagement für den Bloggerclub e.V.

Ich möchte die Qualität der Veranstaltung nicht bewerten, weiß ich doch um den Aufwand den die Organisation einer solchen bedeutet. Manche Vorträge waren toll, ich traf alte BloggerkollegInnen und lernte neue kennengelernt. Ich erfuhr, daß die Hochschule Nürnberg und der Flughafen gemeinsam Bloggernachwuchs fördern und StudentInnen auf Reisen schicken. Davon berichten sie im Anschluß auf dem Flughafenblog The Holidayer.

Bloggerevent Flughafen Nürnberg
Studenten der TH Nürnberg präsentieren ihre Reise.

Irgendwann trat der Presse- oder Social Media Verantwortliche von Ryanair ans Mikro und stellte sich vor:

„Hallo, ich bin Thomas von @Ryanair. Wir sind die billigste Airline in Europa.“

Ist das sein Ernst? Ich sah mich um und wollte wissen, ob auch andere Anwesende das Gleiche gehört hatten wie ich. Links und rechts entsetze Blicke, alle anderen schienen sich an dieser Aussagen nicht zu stören. Geiz ist doch geil?

Ich twitterte meine Antwort:

Das wirft doch die Frage auf, weshalb ihr so billig sein könnt. Auf wessen Kosten eigentlich?

pic.twitter.com/8ZJzc9IeOD— Ich lebe! Jetzt! (@IchlebeJetzt1) 18. Oktober 2018

Daß Ryanair auf Kosten der Belegschaft die meisten Passagiere in Europa befördert, kann jeder in den Nachrichten erfahren. Daß Andere darunter leiden müssen, wenn ich etwas extrem billig kaufen kann, wissen wir nicht erst seit dem Einsturz der Rana Plaza Näherei in Bangladesch.
Wer zahlt den Preis fürs Billig-Ticket? Die European Cockpit Association hat dazu ein Video auf Twitter veröffentlicht:

Hier wird deutlich: Es wird an Pilotengehältern gespart. Durch Scheinselbständigkeit, und fehlende Sozialleistungen. Doch das ist längst nicht alles. Auch andere MitarbeiterInnen von Ryanair leiden unter dem Preisdumping, wie nicht nur der Deutschlandfunk berichtet.

700 der rund 1.000 Flugbegleiter beim irischen Billigflieger seien Leiharbeiter, die nur für geleistete Flugstunden bezahlt werden – Monatsgehalt im Schnitt zwischen 900 und 1.300 Euro.

Artikel Deutschlandfunk, 19.10.2018
Tragen Blogger Verantwortung

Verantwortung als BloggerIn?

Viele BloggerInnen fotografieren sich an oder in Flugzeugen von Ryanair oder zeigen sich mit Produkten von Firmen, die Umwelt und Menschlichkeit mit Füßen treten. Gibt es nun eine Verantwortung der BloggerInnen? Muß ich darüber schreiben, daß Ryanair so billig ist, weil Mitarbeiter geknechtet werden? Oder darf ich einfach mit Ryanair fliegen (und mit ihnen Kooperationen eingehen), denn ich bin doch Travel-, Beauty- Lifestyle- oder BriefmarkenbloggerIn und meine LeserInnen interessieren sich weder für Arbeitsbedingungen noch für Umweltthemen?

Als BloggerIn erreichen manche von uns täglich locker mehr Menschen als es Tageszeitungen vermögen. Und die Menschen glauben uns, das wir gut recherchieren und dann unsere Meinung sagen. Die LeserInnen glauben und vertrauen uns und lassen sich von dieser unserer Meinung beeinflussen. Fliegen wir mit Ryanair, trinken Wasser von Nestlé oder kaufen Klamotten von Primark, dann ist das für die LeserInnen auch in Ordnung. Aber wie kann ich als Meinungsbildner Firmen eine Plattform geben, die entweder ökologisch oder menschlich ein Desaster sind?




2 comments On Unsere Verantwortung als BloggerInnen

  • Hallo Suse,

    interessanter Ansatz, deine grundsätzlichen Bedenken kann ich gut nachvollziehen.

    Schade, dass du diese nicht weiter ausgeführt hast. Gerade mit Blick auf die Aussage:
    „Und die Menschen glauben uns, das wir gut recherchieren und dann unsere Meinung sagen.“

    Meiner Meinung nach hast du genau dies nicht getan. Außer dem eingebetteten Twittervideo und dem DFunk Zitat sehe ich keine Recherche. Keine primären Quellen, Otöne von Betroffenen usw.
    Abgesehen davon, dass der Ryanair-Verantwortliche Johannes und nicht Thomas heißt. Eine kurzer Anruf/Mail beim Flughafen hätte das Namensproblem gelöst, wenn man sich nicht sicher ist, versteht sich, Fehler passieren immer.

    Auch hat sich in dem oben genannten Zitat auch ein kleiner Grammatikfehler eingeschlichen („dass“ nicht „das“). Genauso bei: “ […] ich traf alte BloggerkollegInnen und lernte neue kennengelernt.“

    Das hat zwar nichts mit dem Inhalt zu tun, aber stört den Lesefluss etwas. Ich empfehle das „Vier-Augen-Prinzip“, um solche Fehler zu meiden.

    Bitte sehe das als konstruktive Kritik; ich war auch auf dem Bloggerevent und mein Blick schweifte nach Johannes‘ Ausage auch durch die Menge und ich war überrascht wie wenige die Aussage kritisch sahen. Also ähnlich wie bei dir, deshalb hätte mich eine besser recherierte Ausführung deines Blogbeitrags gefreut.

    „Die LeserInnen glauben und vertrauen uns und lassen sich von dieser unserer Meinung beeinflussen.“ Das ist der entscheidende Punkt, warum mir das wichtig ist.

    Weiterhin wünsche ich vviel Erfolg mit eurem Bloggerverein und deinem Blog natürlich! Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    grüße aus Nürnberg

    • Lieber Luca,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar. Selbstverständlich freue ich mich über Feedback. Das ist mit den jahren eher selten geworden.

      Ja, ich habe in der letzten Reihe den Namen des Verantwortlichen nicht genau verstanden, hätte ich recherchiert, wenn ich Zweifel an der Richtigkeit gehabt hätte.
      Zu meinen Tippfehlern stehe ich, damit reihe ich mich in das fehlende Lektorat großer Medienhäuser ein, die das auch nicht so gut hinbekommen. Aber ja, das stört den Lesefluß, da gebe ich dir recht.

      Mir ist nur nicht ganz klar, was genau Dein Kritikpunkt hinsichtlich der Recherche zu Ryanair sind: Ich wollte hier keine Investigativstory aufziehen, um Einzelschicksale zu beleuchten. Mir ging es darum, zu hinterfragen ob ich als Blogger Verantwortung trage. Oder Dinge einfach abnicken kann, gerade wenn diese Geschichten wie die der Billigfluglinie so präsent in den Medien sind.
      Was genau möchtest du denn noch genauer wissen? Ich kümmere mich gerne darum.

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