Auf Twitter hat mich neulich Dr.Indie wirklich zum Nachdenken gebracht. Sie schrieb:

„könnte ja während elternzeit über beruflichen #planB nachdenken. kriege aber beim denken ans nachdenken schon panik…“

Mich hat das sehr berührt, denn ich war nach jedem Kind auch in dieser Lage. Wenn man keinen festen Job hat, in den man nach der Elternzeit zurückkehren kann, erscheint die Elternzeit nur halb so entspannt zu sein.

Was ist Karriere?

Landläufig wird der Begriff Karriere im Deutschen so ausgelegt, als sei Karriere etwas Herausragendes, Besonderes. „Ich habe Karriere gemacht“ ist gleichbedeutend mit „Ich bin erfolgreich, verdiene viel Geld und habe große Verantwortung in meinem Beruf“.
Dem eigentlichen Wortsinn nach bedeutet dieses Karriere nichts anderes als „Lebensweg“. Und dieser ist schon von Beginn an sehr individuell und auch vom Zufall bestimmt: In welche Familie werde ich hineingeboren? Was bringe ich an Anlagen mit? Wie werde ich erzogen? Welche Bildung bekomme ich? Wofür interessiere ich mich? Bleibe ich gesund? Treffen mich Schicksalsschläge?

Meine „Karriere“ mit Kindern

Nach dem Abitur bin ich für ein Jahr auf eine Folkehøgskole in Norwegen gegangen und habe dort neben Norwegisch auch fürs Leben gelernt: Tu das, was Dich glücklich macht. Nur dann kannst Du es gut machen.
Ich hätte gerne Journalistik studiert, aber dafür war leider mein Notendurchschnitt zu schlecht. Also habe ich mich für Sprachwissenschaften entschieden. Komischer Weise fand ich Sprachen in der Schule ziemlich langweilig, im Studium konnte ich mich sogar für trockene Grammatik begeistern.
Während des Studiums habe ich alle möglichen und unmöglichen Jobs gemacht. Zum Einen um Geld zu verdienen und zum anderen um Erfahrungen zu sammeln.
Nach dem Studium sah ich mich in einem Verlag oder einer Agentur. Egal wo in Deutschland.

Dann kam alles anders: Der Kinderwunsch.
Der Weltbeste ist ein paar Jahre älter las ich, war in einer festen Anstellung und wir wollten junge Eltern sein. So jung, wie man nach dem Studium eben noch ist. Unter dreißig.
Der Nachwuchs kündigte sich auch kurz vor dem Examen an. Wie hier mal berichtet ging alles schief.
Beruflich fiel ich in ein Loch. Denn wir wollten Kinder, also fiel ein Job im weiteren Umkreis schon mal aus. Ich wollte aber nicht zu Hause sitzen und grübeln, deswegen habe ich fleißig Bewerbungen geschrieben. Von heute auf morgen bekam ich ein Praktikum in der Presseabteilung eines großen Versandhauses mit der besten Chefin, die man sich vorstellen kann. Zwar war es nur ein Praktikum, aber besser als nichts.
Als sich die große Zwergin anmeldete war die Freude groß, doch es kamen auch Zweifel daran auf, wie es beruflich weitergehen würde. Nach fünf Monaten Elternzeit wurde ich unruhig und stieg als Externe freiberuflich wieder ein. Ich konnte und wollte das Baby nicht in fremde Hände geben.
Zwei Jahre ging das gut. Jetzt gibt es das Versandhaus nicht mehr.
Wie es der Zufall will, kündigte sich Zwergin No.2 zeitgleich mit einem Jobangebot an. Eine Teilzeitstelle an der Uni. Befristet. Selbstverständlich.
Ich habe es angenommen und mich vor dem Tag gefürchtet, an dem ich die Schwangerschaft bekannt geben mußte. Um die Vorgesetzten nicht zu verägern habe ich auch gleich versprochen, daß ich nach 6 Monaten zurückkehre.

Der Fehler

Ja, ich freute mich auf die Arbeit. Das Unterrichten und der Austausch mit den Studenten machte mir sehr viel Spaß. Ich fuhr auf Konferenzen und hatte NoBabyContent.
Einige Arbeitsstunden konnte ich in den Spätnachmittag und Abend hineinlegen, so daß der Weltbeste sich um die Kinder kümmern konnte.
Ich hatte den besten Babysitter zu Hause, den ich mir wünschen konnte und die kleine Zwergin hat nicht ein einziges Mal geweint, wenn ich gegangen bin.
Und doch fühlte ich mich immer zerrissen, wenn ich die Haustür hinter mir schloß. Ich handelte gegen meine Überzeugung, um den Job nicht zu verlieren. Nachdem mein Vertrag ausgelaufen war hätte ich das Recht gehabt, ihn um die Elternzeit noch verlängern zu lassen. Aber gegen alle -mündlichen- Vereinbarungen mußte ich alle Stunden vor Ort „absitzen“. Als Begründung gab man an, die Studenten hätten ein Recht darauf, mich persönlich zu sprechen. Kein einziger Student ist unangemeldet zu mir gekommen in den zwei Jahren… Plus einer Stunde Fahrzeit war mir das zu lange. Ich habe noch ein paar Semester auf Honorarbasis weitergearbeitet, dann hat man mich kommentarlos von der Liste gestrichen.

Arbeit in Homeoffice

Seitdem arbeite ich nur noch freiberuflich. Das ist schön, aber auch anstrengend. Man muß immer dann arbeiten, wenn die Kinder gerade mal ruhig sind oder eben nachts.
Ab September wird das besser. Dann ist auch Zwergin No.3 im Kindergaretn.
Zusätzlich mache ich noch ein fernstudium an der Freien Journalistenschule Berlin um doch noch einen Schritt in Richtung Traumberuf zu machen.

Hin und wieder schreibe ich Bewerbungen mit eher mäßigem Erfolg. Die interessanten Jobs sind überwiegend in Vollzeit. Das kommt für mich gar nicht in Frage. Außerdem schrecken Arbeitgeber noch immer vor Müttern mit kleinen Kindern zurück. Wegen der potentiellen Fehltage.
Und ich bin nicht sehr flexibel, was die Arbeitszeit vor Ort angeht.

Es geht auch anders!

Man soll aber die Hoffnung nie aufgeben. Und vor allem nicht gegen seine Überzeugung handeln. Für mich ist es wichtig, daß ich bei meinen Kindern bin. Für andere mag ein ganz anderer Weg der Richtige sein.
Irgendwann kommt der Job vorbei, der zu meinen eigene Lebensumständen und Ansprüchen paßt.
Ein tolles Erlebnis hatte ich letzte Woche. Eines der seltenen Vorstellungsgespräche. Ein Job, der mir sehr zusagen würde. Und der potentielle Arbeitgeber sagte zu meiner Situation einfach: „Wenn wir zueinander passen, dann finden wir eine Lösung!“
Auch wenn es nicht klappen sollte: diese Erfahrung, daß es auch anders geht hat mir wieder Mut gemacht!

Gruß
Suse

 

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