Heute freue ich mich über einen Gastbeitrag von Isa. Ihr ist das schlimmste passiert, was man sich beruflich vorstellen kann: Kündigung nach der Elternzeit. Wie sie diese Klippe genommen hat, erzählt sie heute hier:
Vereinbarkeit
Über das Gewissen von Eltern und Vereinbarkeit
Die Vereinbarkeit ist ein Thema, das mich nunmehr seit fast neun Jahren begleitet.
Wie man das am besten hin bekommt kann ich nicht sagen.
Ich selbst habe die Erfahrung gemacht: Erst muß ich wissen was ich will, dann kann ich die Dinge miteinander vereinbaren.
Dies ist mein Beitrag zur Blogparade vom Blog Grosse Köpfe #worklifefamily zusammen mit dem Scoyo ELTERN!-Magazin.
Als ich die Schule nach dem Abitur schnellstens Richtung Norwegen verließ war mir klar: Ich werde irgendwann Journalistin. So der Plan.
Aber planen kann man viel, ob sich das Leben dann an den Plan hält ist eine andere Sache.
Gerne wäre ich für immer im Land von Håkon und Mette Marit geblieben, aber als ich kurz auf Heimaturlaub war, ist mir der Weltbeste über den Weg gelaufen und so kam es, daß zumindest dieser Plan scheiterte.
Statt des Journalismusstudiums begann ich mich meiner in Norwegen entdeckten Leidenschaft für (Fremd-)Sprache zu widmen und studierte hier in Deutschland. Gegen Ende des Studiums -ich hatte mich schon nach Jobs umgesehen und sah eine Fernbeziehung auf mich zukommen- erschlug es mich fast: der Kinderwunsch. Nicht planbar, aber wir haben uns dazu bewußt entschieden (so weit man sich für etwas entscheiden kann, dessen Ausmaße man gar nicht kennt). Daß auch da was schiefgehen kann, konnte niemand ahnen.
Der Kinderwunsch war trotzdem immer noch da. Deswegen habe ich das Praktikum genommen, was mir in der näheren Umgebung angeboten wurde. Mit Aussicht auf eine feste Stelle (Rückblickend eine Farce, das Unternehmen ist sehr medienwirksam Pleite gegangen worden).
Ich traue es mich kaum zu sagen, aber die Große war als Baby so friedlich und hat so viel geschlafen, nach fünf Monaten wollte ich wieder arbeiten. Da für mich aber keine andere Betreuung in Frage kam als Mama oder Papa machte ich mich selbständig und arbeitete für die alte Firma weiter. Aus dem Homeoffice. Meistens spät abends oder nachts, denn plötzlich wurde das Kind aktiv.
Kaum war ich mit dem zweiten Kind schwanger, bekam ich eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin angeboten und nahm sie an. Nicht ohne schlechtes Gewissen. Als es Zeit war dem Arbeitgeber von der Schwangerschaft zu erzählen, versprach ich im gleichen Atemzug, nach 6 Monaten Elternzeit wieder an meinen Arbeitsplatz zurückzukehren. Es war eine schwierige berufliche Zeit. Die Kinder waren gut betreut und haben nie, aber auch wirklich nie geweint, wenn ich zur Arbeit gegangen bin. Aber mich plagte das schlechte Gewissen. Der Lohn war dann eine Nichtverlängerung des Arbeitsvertrages.
Seitdem habe ich immer wieder dem Drang nachgegeben irgendwelche vermeintlich guten Jobs anzunehmen, um an der Arbeitswelt teilzuhaben, mein Selbstwertgefühl und meine Rente aufzubessern, und um nicht zuletzt ein Bein in der Tür zur Arbeitswelt zu behalten.
Bis mir klar wurde, das macht mich unglücklich. Ich kann keinen guten Job machen, wenn ich ständig ein schlechtes Gewissen mit mir herumtragen. Und ich kann auch keine gute Mutter sein mit eben diesem.
Also habe ich mich noch einmal hingesetzt und ein Fernstudium zur Journalistin angefangen. Mein Traum vom Anfang, Ihr erinnert Euch? Neben der Freelancetätigkeit im Homeoffice. Seit die Jüngste im Kindergarten ist, kann ich mich dem voll und ganz widmen und nebenbei nach geeigneten Jobs Ausschau halten. Jobs, die inhaltlich so gut sind, daß es sich dafür für mich lohnt eine adäquate Betreuung für die Schulkinder zu suchen.
Wie es war, als die Jüngste noch auf meinem Schoß mitgearbeitet hat, habe ich schon mal hier beschrieben.
Bis dahin ist es bei uns wie bei Anna G., die im Gespräch mit Mama Schulze sagt: “Der Mann verdient die Brötchen – ich sorge für die Butter”. Kleine Projekte in der Zeit, in denen die Kinder in Kindergarten, Schule oder in ihren Betten sind.
Doch. Ich glaube, ich habe jetzt einen Weg für mich gefunden: Wissen, was einem wichtig ist, Prioritäten setzen und vor allem: Alles geht. Aber nichts geht auf einmal.
Vereinbarkeit anders gedacht
Seit meine große Tochter geboren ist, arbeite ich überwiegend im Homeoffice und bin im Großen und Ganzen zufrieden.
Jeder, der schon einmal noch schnell eine wichtige Aufgabe am Computer erledigen wollte und dabei ein Baby oder Kleinkind auf dem Arm hatte weiß was das bedeutet: Je nach Mobilität des Kindes fällt einem entweder der Arm vom Wiegen des Säuglings ab oder man tippt mit einer Hand und die andere Hand versucht eingriffe durch Patschehände in das Computergeschehen zu verhindern. Am Ende sind wir beide genervt: Ich, weil ich mich nicht hunderprozentig meiner Arbeit widmen kann, um sie schnell zu erledigen. Und das Kind sowieso, weil es nicht meine volle Aufmerksamkeit genießt.
Gewünscht hätte ich mir eine Möglichkeit, meine unter Dreijährigen quasi neben dem Schreibtisch gut betreut zu wissen. Aber auch immer im Kontakt mit meinem Kind zu sein. Da zu sein, wenn es mich braucht. Gerade in der Kleinkindphase, wenn sprachliche Kommunikation noch schwierig ist.
Familie und Beruf in Norwegen
In Norwegen sollen es Mütter besser haben als anderswo auf der Welt. Zumindest besagt dies die soeben erschienene Studie von Save the Children.
Ich habe mir mal genauer angesehen, wie es den Familien in Norwegen in Sachen Vereinbarkeit geht.
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