Innehalten.

Momentan fühle ich mich von allem hier überfordert. Am meisten von den Ansprüchen an mich selbst. So kann es nicht mehr weitergehen. Ganz klar. Die letzten drei tage konnte ich mich kaum vom Sofa wegbewegen- Kopfweh und Schwindel als Dauergast. Als letzte Nacht um halb vier der Wecker unter der Bettdecke klingelte war es um meine Contenance geschehen und der Schlaf war dahin.

Also wieder eine Runde nachdenken. Zu viel, zu schnell, zu perfekt geht einfach nicht mehr. Schließlich bin ich knapp jenseits der Zwanzig *hüstel* und die Energie wird eher weniger denn mehr. Wem muß ich denn etwas beweisen? Der Verwandtschaft? Den anderen Müttern? Mir etwa? Sicher nicht. Vor allem hat keiner etwas davon wenn ich nicht mehr kann. Am Ende des Lebens fragt niemand: „Wie erfolgreich warst Du in Deinem Beruf?“ oder „Haben Deine Kinder eine perfekte Kindheit gehabt?“ Nö. Am Ende des Lebens -das schneller herandüst als mir persönlich liebe ist- werde ich mich fragen: „Bist Du glücklich gewesen? Hast Du Dinge in Deinem Leben getan, die Dich erfüllt haben?“
Und mit dem heutigen Stand kann ich -bin ich ehrlich zu mir selbst- sagen: „Ja!“ Ich habe sehr früh -Anfang zwanzig- den Weltbesten kennengelernt. Und ob Ihr es glaubt oder nicht: Vier Wochen nach unserem ersten Zusammentreffen habe ich zu meiner besten Freundin gesagt: „Den heirate ich- oder keinen!“ Habe ich dann auch fünf Jahre später gemacht. Es ist nicht immer einfach mit uns (oder mit mir?), aber es hält. Als Mitte Zwanzig mein Kinderwunsch kam, wurde er schnell zu unserem. 2006 und 2008 kamen die absoluten Wunschkinder zu uns. Auch nicht immer einfach. Aber es läuft. So wie es sein muß. Als wir dann zur Taufe meines jüngsten Neffen eingeladen waren, sprachen wir das erste Mal darüber, daß noch etwas fehlte. Die Zwerginnen 3 1/2 und 1 1/2 waren sehr pflegeleicht und alles lief wie am Schnürchen. „So ein halbes Kind wäre noch toll!“ Klappte aber nicht, also haben wir ein Ganzes bekommen. Sollte ich besser 1 1/2 sagen. No.3 brauchte von Anfang an kaum Schlaf, hatte immer Hunger und -laut Kinderarzt- Untergewicht. Und sie war eines der Babies, die 24h auf der Mama festgewachsen waren. Sollte man sich fragen, ob die Entscheidung für Wunschkind 3.0 die Richtige war (ich frage mich so was nicht, da müßig und irrelevant): Für uns als Familie hat es alles schwieriger gemacht. Man hat nur zwei Hände, ist als Eltern nur zu Zweit, der Tag hat nach wie vor nur 24h und die Kräfte sind nach einer Schwangerschaft, in der einem nur zum Kotzen war auch nicht gerade gut gefüllt. Und für uns als Familie hat es alles noch viel schöner gemacht. Ganz einfach. Familie erfüllt mich. Macht mich glücklich.

PicMonkey Collage

Dennoch muß ich aufpassen, daß es auch noch ein Ich in dem Ganzen Tohuwabohu gibt. Und zwar nicht zusätzlich. Dann ist eben mal nicht frisch Staub gesaugt und die Wäsche nicht ordentlich im Schrank. Statt dessen sitze ich über meinen Studienheften und tue das, wofür ich brenne.
Letzte Woche habe ich wieder einige Bewerbungen abgeschickt. Mal sehen, welche Antworten ich bekomme. Egal wie sie ausfallen werden. Für mich ist es O.K. Wenn ich in diesem Moment keinen Job finde, dann ist die Zeit eben noch nicht reif dafür. Oder etwas anderes wartet auf mich.

Am Montag war ich mit Zwergin No.2 zur Schuleingangsuntersuchung im Gesundheitsamt. Eigentlich war dieser Termin bereits im letzten November. Sie ist aber ein paar Tage nach dem gesetzlichen Stichtag geboren und gilt somit als „Kann-Kind“. Deswegen dieser extra Termin mit extra Aufregung in extra fremder Umgebung. Ich habe mir Sorgen gemacht, daß sie verängstigt dort sitzt und schweigt. Aber mein extra besonderes Kind hat diese Prüfung sehr gut gemeistert. Weil sie es wollte. Dieser starke Wille hat uns so manches Mal an den Rand des Wahnsinns gebracht. Dieses Mal hat es mir imponiert. Sie gab der Ärztin zwar nicht die Hand (sie mag keinen Körperkontakt zu fremden Menschen), ansonsten hat sie so funktioniert, wie es erwartet wurde. Mal davon abgesehen, daß diese Untersuchung völlig überflüssig ist, seitdem es die verpflichtenden U-Untersuchungen beim Kinderarzt gibt.
Einen Tag später waren wir dann zum Vorschulgespräch im Kindergarten und  wurden nur mit lobenden Worten über unsere Tochter empfangen. Als mittleres Kind hat sie lange gebraucht ihren Platz in der Familie und im Kindergarten zu finden. Jetzt scheint sie angekommen zu sein. Und wenn ich so an meine Kindheit zurückdenke: sie ist viel viel mutiger als ich! Ich habe kein Wort bei der Schuluntersuchung gesprochen und man dachte dort schon, ich sei irgendwie zurückgeblieben.

Die Zwerginnen holen mich immer mal wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Dahin, was wirklich wichtig ist. Was sie machen, das tun sie mit Leidenschaft. Oder gar nicht.

Das mache ich ab sofort auch so.

 

Gruß

Suse

 

 

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